Sie hat sich spätabends gemeldet — nach einem langen Arbeitstag, beim Doomscrolling durch Instagram, und dann irgendwann auf meiner Seite.
Was sie dort gesehen hat, hat sie innehalten lassen. Sie schrieb später: „Reale Menschen mit Rundungen und auch Unebenheiten. Verletzlichkeit, nichts Hindrappiertes — Spaß, Emotion, Trauer, Wut. Alles in Fotos die eine Geschichte erzählen." Ich glaube, das ist genau der Moment, in dem jemand entscheidet, ob er schreibt oder weiterwischt.
Sie hatte eigentlich etwas anderes erwartet — „eher trocken, faktischer", wie sie es nannte. Das Kennenlernen, das Schreiben, dann das Treffen: alles war geprägt von Offenheit, Tiefgang, Respekt. „So schön hät ich's mir nicht ausgemalt", schrieb sie. Irgendwann haben wir mehr geredet als fotografiert, und die Zeit verging viel zu schnell.
Für ein paar Fotos am Ende sind wir ins Badezimmer gegangen, sie ins warme Wasser. Kurz danach sagte sie, es mache sie so müde, dass sie einfach komplett runterfährt. Also habe ich die Kamera weggelegt. Keinen Auftrag mehr, keine Richtung. Ich hab ihr den Moment einfach gelassen.
Hinterher schrieb sie: „Das Bild von mir selbst hat sich geändert. Die Kurven, mein Lachen, die Nase. Alles." Und dann: „Ich hab mitgenommen, was ich mir gewünscht hab — Liebe für mich."
Das lese ich nicht als Ergebnis des Shootings. Das lese ich als etwas, das schon in ihr war und das einfach Raum gebraucht hat.

Kommentare (0)
Noch keine Kommentare. Schreib den ersten.