Aus einer Depression heraus habe ich gemerkt dass sich etwas verändern muss. Ich habe angefangen Dinge auszuprobieren und bin Anfang 2022 in einem Aktzeichenkurs gelandet. Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht — und war die erste Berührung mit nackten Menschen außerhalb einer Beziehung.
Dort lerne ich eine Frau kennen, wir kommen auf die Fotografie und machen direkt etwas aus. Einfach ausprobieren, ohne Plan. Es hat sofort funktioniert.
Ein paar Monate später fragt mich ein Bekannter ob ich seine Hochzeit fotografieren kann. Er kannte meine Fotos von der Sportfotografie. Nach dieser Hochzeit hat es mich gepackt — richtig gepackt. Ich habe mich selbstständig gemacht, alles autodidaktisch erarbeitet, angefangen Menschen zu suchen, und bis Ende 2022 waren es 50 Shootings.
2023 habe ich mein Studio in Mering eröffnet. Dann kam die Trennung, die Doppelbelastung. Irgendwann war mein Zustand nicht mehr tragbar. Ich bin in die Klinik gegangen und habe fast alles verkauft.
Fast alles. Die Kamera habe ich behalten.
Im Oktober 2023 hatte ich wieder Raum. Ich habe mich langsam zurück an die Fotografie getastet. Es hat sofort wieder funktioniert — und ich wusste warum ich die Kamera behalten hatte.
Seitdem ist vieles ruhiger geworden. Die große Fujifilm mit den vielen Objektiven ist weg. Jetzt fotografiere ich mit der X100V — ein Objektiv, kein Zoom. Schwarz-Weiß. Weniger Entscheidungen, mehr Fokus auf das was wirklich zählt.
Heute arbeite ich und nehme mir bewusst Zeit für die Fotografie. Zwölf Shootings im Jahr, eines pro Monat. Nicht weil ich es nicht mehr will — sondern weil ich verstanden habe dass es so besser ist. Für mich, und für die Menschen vor der Kamera.
Denn das ist was bleibt. Nicht die Technik, nicht die Menge. Der Moment in dem jemand vergisst dass eine Kamera im Raum ist. In dem ich zuhöre und einfach da bin.
Was dann entsteht geht tief. Das spüre ich — immer wieder.